Änderung im Notdienst der Apotheken
Zitat aus dem Schreiben der Landesapothekerkammer Thüringen, vom 08.12.2025, an Bürgermeister Roman Zachar:
"Sehr geehrter Herr Bürgermeister Zachar,
die Landesapothekerkammer Thüringen ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts für die Organisation des Apothekennotdienstes verantwortlich. Durchschnittlich 35 Apotheken gewährleisten in jeder Nacht und an allen Sonn- und Feiertagen die Arzneimittelversorgung der Menschen in Thüringen. lnsgesamt organisieren noch 477 öffentliche Apotheken die ,,Rund-um-die-uhr-Arzneimittelversorgung" der Bevölkerung. Sie sind eine wichtige Anlaufstelle in vielen Gesundheitsfragen und gerade für Seniorinnen und Senioren auch ein wichtiger sozialer Kontakt.
Doch die Zahl der Apotheken wird immer geringer. Thüringen hat in den letzten 15 Jahren über 100 Apotheken und damit fast 20 % seiner Apothekenstandorte verloren. lm ausgehenden Jahr 2025 werden es 15 Schließungen sein.
Allein in Mittelthüringen wurden in den letzten 15 Jahren 28 Apotheken geschlossen, davon neun Apotheken in Erfurt, sieben Apotheken in Weimar und im Weimarer Land, sechs Apotheken in Gotha und im Landkreis, zwei Apotheken in Arnstadt, vier Apotheken in Sömmerda und Umgebung. Die Orte Warza, Wandersleben, Plaue und Großfahner, aber auch Kirchheilingen, Körner und Vieselbach haben ihre, die einzige Apotheke vor Ort verloren. Die Liste dieser Orte ließe sich noch weiter verlängern - insgesamt sind es 25, bald 26 Thüringer Kleinstädte, in denen die einzige Apotheke geschlossen wurde. Auch im Landkreis Sömmerda und in der näheren Umgebung haben Apotheken schließen müssen, so in Greußen, Sondershausen und Artern.
Als Bürgermeister wissen Sie, es liegt nicht daran, dass sie nicht gebraucht würden. Thüringen ist ein Land, in dem viele ältere Menschen leben und gerade sie sind regelmäßig auf Arzneimittel angewiesen. Und doch sind die Gründe für
Apothekenschließungen vielfältig: Die Rosinenpickerei von Versandapotheken, die unzureichende Honorierung und deren fehlende Dynamisierung der apothekerlichen Leistungen sind hier in erster Linie zu nennen.
Ein wesentlicher Punkt ist jedoch auch der Mangel an Fachkräften. ln immer weniger Apotheken müssen immer weniger Menschen immer mehr pharmazeutische Aufgaben bewältigen, das spüren gerade die Apotheken vor Ort. Deshalb haben sich die Apotheken in lhrer Region mit der Bitte an uns gewandt, die Notdienstbelastung künftig zu reduzieren.
2025 hatte bei lhnen jede Apotheke im Schnitt 46 Notdienste zu leisten. Wer so oft nachts und an Sonn- und Feiertagen arbeiten muss, dem fehlt irgendwann die Kraft fürs Tagesgeschäft. Damit das nicht passiert, dürfen die Apotheken im kommenden Jahr im Rahmen eines Modellprojektes auf weiter entfernte Apotheken verweisen' als dies bisher
möglich war. Das bedeutet konkret, in der Nacht und an Sonn- und Feiertagen kann es sein, dass die Bürgerinnen und Bürger lhrer Stadt die nächste diensthabende Apotheke erst in Gebesee finden.
Da uns bewusst ist, dass diese dringend notwendige Entlastung im Notfall zu einer stärkeren Belastung der Bevölkerung führen kann, möchten wir gleichzeitig prüfen, welche praktischen Konsequenzen sich wirklich ergeben. Daher werden die Apotheken ihre Kundinnen und Kunden über die veränderte Notdienstpraxis informieren. Die Apotheken sind aufgefordert, gerade in den Notdienstzeiten die Hintergründe zu diesem Modellprojekt über einen Aushang zu beleuchten und um Verständnis zu bitten. Die Patientinnen und Patienten sind angehalten, Erfahrungen und Beschwerden an uns zu übermitteln, damit wir mit Ablauf des Jahres das Modell auswärten können. Daher wird über den Aushang der Kontakt zur LAKT kommuniziert. Wir wären lhnen dankbar' wenn Sie zum Erfolg des Projektes beitragen,
indem sie über lhre lnformationskanäle auf das Projekt und unsere Kontaktmöglichkeit hinweisen. Gern können sie dazu auch selbst den beiliegenden Aushang nutzen. Den Aushang lesen Sie hier
Die Apotheken vor Ort werden von uns aufgefordert, das Gespräch mit lhnen zu suchen. Sie kennen die Situation am besten und können lhnen detailliert beschreiben, was sich ändern muss, damit der Trend der Apothekenschließungen endlich gestoppt werden kann. Es liegt in unser aller lnteresse, dass sich das Netz der Apotheken nicht immer weiter ausdünnt, denn andernfalls kann die Nacht- und Notversorgung bald gar nicht mehr gewährleistet werden.
Wir danken für lhr Verständnis und hoffen sehr, dass mit dieser Lösung beide Seiten - die Menschen vor Ort und die Apotheken, die sie versorgen - werden leben können. Wir würden uns im Laufe des Jahres noch einmal bei lhnen melden, um die Auswlrkungen des Modelprojekts auswerten zu können.Wir danken lhnen sehr für lhre Unterstützung.
Mit freundlichen Grüßen Landesapothekerkammer Thüringen
Sabine Kratky (Vorsitzende des Notdienstauschusses) und Thoralf Kühne (stellvertretender Geschäftsführer)"
Das oben zitierte Schreiben lesen Sie hier