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Fax 036375-51041

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Anschrift
Verwaltungsgemeinschaft Kindelbrück
Puschkinplatz 1
99638 Kindelbrück

Gemeinde Bilzingsleben

Internet: http://www.bilzingsleben.de/ , www.steinrinne-bilzingsleben.com

Größe: 1.679 ha
Realsteuer Hebesätze in % (Stand 01.01.2017)
Grundsteuer A 271
Grundsteuer B 389
Gewerbesteuer 395
Einwohner (Stand 17.09.2018): 666
Bürgermeister: Matthias Bogk                                                                     Sprechstunde des Bürgermeisters: donnerstags 17:00 bis 18:00 Uhr, Schulplatz 24 in Bilzingsleben





Lage des Dorfes

Bilzingsleben ist eine kleine Ortschaft am Rande des Thüringer Beckens. Sie liegt ca. 3 km nordwestlich von Kindelbrück und wurde im Jahre 1174 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Vor allem bekannt ist Bilzingsleben durch die Ausgrabungsstätte "Steinrinne", wo Prof. Dr. D. Mania menschliche Reste fand, die etwa 350.000 Jahre alt sind. Prof. Dr. D. Mania ist Spezialist für Pleistozän-Archäologie und Geologie sowie für Teilgebiete der Paläontologie.
1969 begann Prof. Dr. D. Mania mit Grabungsarbeiten im Travertinsteinbruch von Bilzingsleben. 1972 fand er ein menschliches Hinterhauptbein, welches für internationales Aufsehen sorgte. In den zurückliegenden 30 Jahren gab es weitere Funde von Schädelstücken des Homo erectus, einer Vielzahl von Tierknochen und Arbeitsgeräten.
Bilzingsleben ist ein altsteinzeitlicher Siedlungsplatz des Homo erectus in Thüringen.


Ausgrabungsstätte "Steinrinne"

Vor etwa 400.000 Jahren lebten die Urmenschen unter warmklimatischen Verhältnissen im nördlichen Thüringen. Über die ältesten Bewohner unserer Heimat bringen uns zahlreiche Funde von allerlei menschlichen Gebrauchsgegenständen einige Kunde. Hämmer, Beile und andere Geräte bezeugen, dass die Ureinwohner ihre Werkzeuge und Waffen aus Steinen, Knochen und Geweihen herstellten. Gefunden wurden in Bilzingsleben 27 Schädelreste, 8 einzelne Zähne und ein Unterkiefer vom Urmenschen. Die Schädel weißten typische Merkmale vom Homo Erectus auf.

Der Lagerplatz war auf einer halbinselartigen Uferterrasse, nahe einer kalkhaltigen Quelle und einem aufgestauten See. Der See hatte eine Größe von 200 m mal 300 m und bot somit ideale Verhältnisse. Südlich war eine flachwellige Landschaft, die von breiten sumpfigen Talniederungen unterbrochen war. Die Hainleite selbst bildete ein stärker reliefiertes Bergland mit schönen Tälern. Die Landschaften wurden mit lichten trockenen Eichenmischwäldern bedeckt.

Der Homo Erectus jagte vorwiegend mit Speeren, die aus Wirbelhölzern und aus Fichtenstämmen bestanden. Damit wurde überwiegend Großwild erlegt. Zur Jagdbeute gehörten überwiegend mit 27 % Nashörner, mit 13 % Hirsche, mit 10 % Elefanten und Bären, mit 5 % Enten und mit 3 % Wildpferde. Als Kleinwild wurden mit 18 % Biber gejagt. Wildschweine, Rehe und Löwen sind eher selten gejagt wurden.

Auf dem Lagerplatz wurden 3 einfache Wohnbauten mit 3 m bis 4 m Druchmesser festgestellt. Davor befanden sich Feuerstellen, Arbeitsplätze und intime Lebensbereiche. Die Wohnbauten bestanden aus Ästen und Zweigen. Sie waren mit Grasbüscheln und Rinden bedeckt. Vor den Hütten breitete sich im großen Bogen eine Werkstattzone mit Arbeitsplätzen aus. Weiterhin befanden sich Zerlegungs- und Schlachtplätze auf der Steinrinne. Die Feuerstelle aus Baumstücken und Steinen, diente zur Erwärmung und Gärung der Nahrung. Die Arbeitsplätze vor den Hütten aus Stein- und Knochenambossen, dienten zum verarbeiten der Materialien wie Knochen, Steinen und Holz. Geröllgeräte dienten zum groben arbeiten, wie zerschlagen, zuhauen, spalten und hämmern.

Von der Arbeitszone wurde ein 9 m kreisförmiger Platz ausgemessen. Dieser ist mit Geröllen, Platten aus Travertin, Muschelkalk und flachen Knochenstücken gepflastert. Das Pflaster hebt sich von den Arbeitsflächen und den anderen Aktivitätsbereichen deutlich ab. Er hatte eine große Bedeutung für kulturelle Aktivitäten.

Artefakte aus Knochen, deren Oberfläche mit systematisch eingeritzten Stichgruppen versehen ist, waren Mittel der Kommunikation für die Mitglieder der Gesellschaft. Weiterhin stellen Artefakte den Beweis für abstraktes Denkvermögen und die Fähigkeit der Sprache dar. Ohne diese Funktion des Denkens und sprechens, wäre die gemeinschaftlich durchgeführte Großwildjagt und die Weitergabe von Wissen über die Generation nicht möglich.


Der Opferstein von Bilzingsleben

In der Nähe des Dorfes, in der Feldflur, wurde vor langer Zeit ein fast kreisrunder Stein mit einem Durchmesser von mehr als 2 m und einer Stärke von 22 cm gefunden. In seiner Mitte erkennt man eine Vertiefung, von der aus in alle Richtungen strahlenförmige Rillen zum Rande hin verlaufen. Unter enormen Anstrengungen haben die Einwohner diesen Stein in das Dorf transportiert. Lange hat er vor dem Untertor als Wetzstein gedient. 1982 kam er an seinen endgültigen Platz im Schenksgarten. Dort wurde an ihm 1982 eine Gedenktafel zur Gründung der LPG 1952  angebracht. Forscher sind sich einig: Er ist ein Kultstein unserer germanischen Vorfahren. Doch sein Geheimnis war lange nicht eindeutig zu lüften - sind die Strahlen eine Andeutung des Sonnenumlaufs ähnlich wie bei einer Sonnenuhr oder ist dieser Stein ein Opferstein mit Blutrillen? Im Jahr 2000 wurde der Kultstein von Thüringer Landesamt für Archäologische Denkmalpflege als Opferstein in das Denkmalbuch eingetragen.


Die Kirche in Bilzingsleben

Die Entstehung der Bilzingslebener Kirche wird zwischen 1400 und 1450 liegen. Am Turm befindet sich auf der Südseite eine Bauinschrift mit der Jahreszahl 1512, die sich wahrscheinlich auf eine Reparatur oder ähnliches bezieht. Das heutige Erscheinungsbild der Kirche setzt sich aus 3 Bauphasen zusammen. Aus historischen Quellen ist zu entnehmen, dass vor der baulichen Veränderung 1512 bereits ein Kirchengebäude vorhanden war. 1889 wurde wegen Baufälligkeit an gleicher Stelle unter Verwendung alter Bausubstanzen ein neues Kirchenschiff gebaut.

Die Lage der Kirche in der Mitte des Dorfes auf einer Anhöhe und inmitten eines kreisförmigen Kirchhofes von ca. 50 m Durchmesser, lässt auf eine Wehranlage schließen.

Die Bilzingslebener Kirche ist dem heiligen Wipertus oder Wigbert geweiht, dem Schutzheiligen der hessischen Abtei Hersfeld. Der wehrhafte Charakter der ursprünglichen Anlage ist heute noch erkennbar. Der Baustil ist der so genannte spätgotische, ist aber durch spätere Bauarbeiten stark beeinträchtigt worden, so dass von einem hohen künstlerischen Wert wohl nicht gesprochen werden kann. Die hohe Lage und die in der Nähe befindlichen Reste des "Dorfgrabens" lassen darauf schließen, dass wir es mit einer so gennaten "Kirchenburg" zu tun haben. Man hatte von dem massigen Westturm mit seinen starken Mauern, den sein abgewalmtes Satteldach noch heute krönt, einen weiten Ausblick und konnte sich rechtzeitig gegen die Überfälle der Raubritter von der Arensburg und der Sachsenburg rüsten. Jedoch das Kirchenschiff und der schmalere, im halben Achteck geschlossene Chor haben, als dem Turm später angefügte Bauten natürlich nichts mehr, was auf Verteidigungszwecke schließen ließe. Auch die im Jahr 1744 erneuerte Kirchhofsmauer ist ihres Wehrcharakters entkleidet worden - sie hat ihre Schießscharten verloren.


Erdfall

Nördlich von Bilzingsleben ereignete sich kurz nach Weihnachten 2014 ein Erdfall indessen Folge ein neuer Teich entstand, der durch artesisch aufsteigendes Wasser gespeist wird. Am 27.12.2014 endeckte der Besitzer des Fischrestaurants, dass seine nördlich anschließende Wiese unter Wasser stand und sich größere Mengen von schlammigem Wasser in den hinter dem Haus befindlichen Fischtisch ergossen.

Nach dem durch das Anlegen eines Grabens in Richtung Wipper-Altarm der Wasserstand auf der Wiese abgesenkt werden konnte, wurde ein wassergefüllter Erdfall sichtbar. Der Erdfall besitzt einen Durchmesser von 27 bis 30 m und ist zwischen 2-5 m tief. Eine nörlich des Altarms der Wipper liegende Quelle zeigte nach Auftreten des Erdfalls eine deutlich verminderte Quellschüttung, der Wasserspiegel im nördlich anschließenden Quellgrund ist bis zu 15 cm abgesunken. In der teichförmigen Erdfallquelle strömen zurzeit durch artesisch aufsteigendes Grundwasser ca. 30-40 l Wasser in der Sekunde zu, die in den Altarm der Wipper abgeleitet werden.

Rund um den Erdfall in der Talaue der Wipper stehen an den Hängen Gesteine des Oberen Muschelkalks an. Unterhalb dieser Gesteinsschichten lagern Gesteine des Mittleren Muschelkalks in die wasserlösliche Gesteine, in Form von Gipsen eingeschaltet sind. Durch Auslaugung dieser Gipse (der sogenannten Subrosion) entstand ein Hohlraum, der nach Weihnachten 2014 bis zur Erdoberfläche hochbrach und den Erdfallteich bildete. Aufgrund der geologischen Lagerungsverhältnisse in der Region ist das Grundwasser häufig "gespannt". Werden die abdichtenden Gesteinsschichten oberhalb einer Grundwasser führenden Schicht, wie z. B. bei dem Bilzingslebener Erdfall durchbrochen, steigt dieses gespannte Grundwasser auf und tritt als artesische Quelle an der Erdoberfläche aus.

Anfang Januar 2015 wurde der Erdfall von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Sömmerda der TLUG gemeldet. Der Erdfal wurde von der TLUG untersucht und in das Thüringer Subrosionskataster aufgenommen.

Da sich rund um den neuen Erdfall schon offene Spalten an der Oberfläche zeigen und die Erdfallränder sehr steil bis senkrecht sind, muss damit gerechnet werden, dass sich der Durchmesser des Teichs durch Nachbrüche noch vergrößert.